Inhalt anspringen

Stadt Coburg

Die "kleine Unvernunft"

Herzogin Luise (1800 - 1831)

Herzogin Luise

„Kleine Unvernunft“ - so wurde Luise von ihrer Schwiegermutter, Herzogin Auguste, genannt. Die Gründe: Luise glaubte, auch als Ehefrau von Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld ein „freies Leben … und ohne controll“ eigenständig leben zu können. Doch die Verhältnisse waren eben nicht so: Eine verheiratete Frau war damals immer dem Willen des Ehemanns ausgeliefert; und da er ihr „ehelicher Vormund“ war, durfte Ernst I. auch über ihre Finanzen alleine bestimmen. Luises Unglück war, dass sie sich mit noch nicht mal 16 Jahren in Ernst verliebte - in ihm sah sie ihren „Ritter“, dem sie glaubte, bedingungslos vertrauen zu können. Luise war eine Prinzessin von Sachsen-Gotha-Altenburg und die Erbin dieses Herzogtums, 1816 wurde in Gotha Verlobung gefeiert. In Paris wurde wenige Wochen später ein uneheliches Kind von Ernst I. geboren - nicht das erste und nicht das letzte uneheliche Kind von Ernst I. Luise erfüllte ihre „Pflicht“ - der Thronerbe Ernst wurde 1818 geboren, Albert folgte 1819. Danach wollte Ernst sein altes Leben wieder aufnehmen - mit „Frauengeschichten“ und häufiger Abwesenheit von zu Hause. Luise wollte so nicht leben - sie träumte von einer Liebesehe mit gegenseitiger Wertschätzung. Luises Leben zeigt exemplarisch, wie wenig Rechte eine Ehefrau damals hatte, deren Vormund in allen wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen ihr Ehemann war. Ebenfalls exemplarisch zeigt sich, wie durch Aufklärung, Französische Revolution und Romantik der Anspruch auf persönliches „Glück“ sich immer stärker entfaltete. 1824 erfolgte die Trennung, Luise wird nach St. Wendel im Fürstentum Lichtenberg verbannt, das damals zu Coburg gehörte. Im Trennungsvertrag musste sie auf alle „rechtlichen Ansprüche“ verzichten, ihre Söhne durfte sie nie mehr sehen. 1826 heiratete sie ein zweites Mal, 1831 starb sie in Paris an Gebärmutterkrebs. Für Ernst I. hatte sich die Ehe mit Luise gelohnt: statt wie bisher über 400 000 Gulden Einnahmen zu verfügen, hatte das Doppelherzogtum Coburg und Gotha nun Einnahmen von 1 Million Gulden und Ernst war nun auch Herzog in Gotha. Aus Luises Vermögen erwarb er Ländereien in Niederösterreich - noch heute im Besitz der Nachkommen. 

Weitere Infos: 

- Edmund Frey: „Unvernünftige“ Frauen: die beiden Paulinen. In: „Seien Sie doch vernünftig!“ - Frauen der Coburger Geschichte; Hrsg. von Gaby Franger, Edmund Frey, Brigitte Maisch, Coburg 2008, S. 111-124. 

- Josef Dreesen ; Gerhard Schnur: Luise: Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld; 1800–1831; ein Porträt. St. Wendel 2006.