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Stadt Coburg

Fotografin und NS-Profiteurin

Erna Lendvai-Dircksen (1883-1962)

Erna Lendvai-Dircksen

Erna Lendvai-Dircksen war schon in der „Weimarer Republik“ eine anerkannte Porträt-Fotografin; sie gehörte während der nationalsozialistischen Herrschaft zu den erfolgreichsten und durch die Buchreihe „Das deutsche Volksgesicht“ bzw. „Das germanische Volksgesicht“ zu den auflagenstärksten Fotografen. Erna Lendvai-Dircksen war, auch wenn sie vermutlich nicht Parteimitglied war, eine überzeugte Nationalsozialistin und Anhängerin Hitlers, den sie in einer Rede bei der Jahrestagung der „Gesellschaft Deutscher Lichtbildner“ (GDL) Ende Mai 1933 als „genialen Menschen“ feiert: „Das Schicksal hat uns in höchster Not des Zerfalls einen genialen Menschen gegeben, der diese Not und die Notwende und die Notwendigkeiten begriffen hat und mit heißem Herzen und kühlem Kopf die verworrenen Lebensströme in ihr altes naturgegebenes Bett zurücklenkt.“ 

Lendvai-Dircksen kam 1945 als Flüchtling nach Niederfüllbach; ab 1951 lebte sie in Coburg und arbeitete am Projekt „Menschenantlitz“ weiter, wenngleich unter veränderten Bedingungen: Aus dem „Volksgesicht“, einerlei, ob deutsch oder germanisch, wurde das „Menschenbild“. Der bisher sehr eng gefasste Ausschnitt des Gesichtes wurde bei Porträts zugunsten eines weiteren Umfeldes verändert. Landschaftsbilder waren auch früher schon Bestandteil der Bildbände, wurden aber zahlreicher (die Coburger Ausstellung „Das fränkische Antlitz“ 1956 wurde von der Stadt aufgekauft und befindet sich in den Städtischen Sammlungen). Trotz ihrer eindeutigen Parteinahme für Hitler fand sie in Coburg eine geistige Heimat. 

Weitere Infos: 

- Edmund Frey: Die „Altmeisterin deutscher Lichtbildkunst“ im „Hort der Freiheit“: Erna Lendvai-Dircksen (1883–1962) - In: „Seien Sie doch vernünftig!“ - Frauen der Coburger Geschichte; Hrsg. von Gaby Franger, Edmund Frey, Brigitte Maisch, Coburg 2008, S. 271-288.