Warum sehe ich mich als eine besondere Coburgerin? Wie habe ich es geschafft als Frau in der Öffentlichkeit sichtbar zu werden?
Coburg und ich – das war keine geplante Liebe, aber eine, die mit der Zeit gewachsen ist. 1995 kam ich aus Österreich hierher, zuerst ans Theater, später in die freie Wirtschaft, heute bin ich für die Stadtverwaltung tätig und hab künstlerisch mit meiner eigenen Lederwerkstatt in Coburg meine Heimat gefunden. In all diesen Stationen geht es immer um Räume – um Inszenierung, Innovation und Veränderung, aber vor allem darum, Menschen zusammenzubringen.
Sichtbarkeit als Frau? Ich habe gelernt, dass beharrliches, leises Tun oft kraftvoller ist als große Worte und letztendlich geht es darum, dass das, was wir machen von den Menschen gesehen und geschätzt wird. Coburg ist meine Stadt – eine Stadt, in der Heimat, Kunst und nachhaltige Stadtgestaltung zusammenkommen. Das Alte ehren und das Neue suchen, darin liegt die Chance, echte Veränderung zu gestalten. Dass ich dazu auf so vielen Ebenen beitragen kann, begeistert mich bis heute.
Welche Stärken zeichnen mich als Person aus?
Ich sehe Potenziale oft früher als andere – in Räumen, Materialien, Ideen und Entwicklungen, sei es in der Digitalisierung oder in der Nachhaltigkeit. Und dann bleibe ich dran. Es geht mir nicht um Perfektion, sondern darum, Möglichkeiten freizulegen – für Coburg, für Projekte, für Menschen. Nicht alles passt für diese Stadt, und genau deshalb ist es wichtig, Dinge zu hinterfragen, tiefer zu graben und Mitstreiter*innen zu finden.
Egal, ob ich mit Leder arbeite, ein nachhaltiges Stadtprojekt entwickle oder über eine Idee nachdenke – mich interessiert immer, was dahintersteckt. Ich mag es, Strukturen zu hinterfragen, neue Perspektiven einzunehmen und Chancen zu erkennen, wo andere vielleicht nur Hindernisse sehen.
Ich weiß, dass Veränderung Zeit braucht. Sie erfordert Geduld, echte Auseinandersetzung und ein Netzwerk aus Menschen, die sich gegenseitig inspirieren. Aber wer sagt, dass das ein Nachteil ist? Manche Dinge brauchen Zeit, um wirklich zu wirken – und genau darin liegt dann die Stärke.
Was empfehlen Sie anderen Frauen in Bezug auf Beruf und Privatleben? Was sind da Ihre Erfahrungen?
Warte nicht darauf, dass jemand dir die Erlaubnis gibt, deinen Weg zu gehen. Nimm ihn dir. Arbeite für das, was dir wirklich wichtig ist – auch wenn es nicht sofort bejubelt wird. Die größten Veränderungen beginnen leise, oft gegen Widerstände. Bleib dran. Und den Erfolg sieht man dann oft erst, wenn man zurückblickt.
Für Familie ist immer Zeit. Beziehungen, die uns wirklich am Herzen liegen, brauchen keinen festen Platz im Terminkalender. Sie sind das Fundament, das uns trägt – egal, wie viel gerade los ist. Zeit ist das Wertvollste, was wir haben.