Gleichstellung: Warum sie uns alle angeht – und warum Frauen immer noch kämpfen müssen
Gleichstellung ist ein Begriff, der oft mit Frauenrechten assoziiert wird. Doch ist das wirklich ein Thema, das nur Frauen betrifft? Tatsächlich geht es um die faire Verteilung von Chancen und Rechten für alle Menschen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder sozialem Hintergrund. Trotzdem sind es vor allem Frauen, die sich immer noch für ihre Rechte engagieren müssen. Aber warum?
Was sagt das Gesetz?
Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland formuliert in Artikel 3 Absatz 2 unmissverständlich:
"Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin."
Diese gesetzliche Grundlage verpflichtet den Staat also nicht nur zur formellen Gleichstellung, sondern auch zur aktiven Förderung von Chancengleichheit. Ähnliche Regelungen finden sich in internationalen Übereinkommen wie der UN-Frauenrechtskonvention (CEDAW) oder den EU-Gleichstellungsrichtlinien.
Doch trotz dieser Gesetze bleibt die Realität oft hinter den gesetzlichen Vorgaben zurück.
Warum ist Gleichstellung immer noch ein Thema?
Obwohl das Gesetz Gleichberechtigung fordert, zeigen Zahlen und Fakten ein anderes Bild:
- Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich immer noch etwa 18 Prozent weniger als Männer (Gender Pay Gap).
- In Führungspositionen sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert – besonders in der Wirtschaft.
- Frauen übernehmen den Großteil der Care-Arbeit (Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Hausarbeit), oft unbezahlt oder schlecht bezahlt.
- Sexismus und Diskriminierung sind nach wie vor alltäglich – sei es im Beruf, auf der Straße oder in den Medien.
- Diese Ungleichheiten haben nicht nur gesellschaftliche, sondern auch wirtschaftliche Folgen. Studien zeigen, dass Länder mit hoher Gleichstellung wirtschaftlich erfolgreicher sind, weil das Potenzial aller Bürger*innen genutzt wird.
Warum ist es notwendig, dass Gesellschaft sich dafür weiterhin engagiert?
Ob in der Arbeitswelt, der Bildung oder der Familienpolitik – echte Gleichstellung ist noch nicht überall Realität. Sicherlich es hat sich in vielen Bereichen in den letzten Jahrzehnten viel getan. Frauen dürfen arbeiten, wählen, studieren und theoretisch die gleichen Chancen nutzen wie Männer. Doch die Realität sieht oft anders aus. In vielen Unternehmen, Institutionen und gesellschaftlichen Strukturen bestehen immer noch Ungleichheiten – sei es in der Bezahlung, in Aufstiegschancen oder in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gleichstellungsbeauftragte setzen sich weiterhin für faire Chancen, gleiche Bezahlung und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ein. Doch wo stehen wir heute? Und wo gibt es noch Handlungsbedarf? Ein Blick auf die Herausforderungen und Erfolge der Gleichstellungsarbeit. Veränderungen passieren nicht von selbst – sie brauchen Engagement, politische Entscheidungen und gesellschaftlichen Druck.
Gemeinsam gilt es sich einzusetzen für:
- Arbeitswelt: Gleiche Bezahlung und Karrierechancen
Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt immer noch weniger als Männer – der sogenannte Gender Pay Gap liegt je nach Berechnungsweise bei rund 18 %. Besonders in Führungspositionen sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert. Viele Unternehmen haben zwar Programme zur Frauenförderung, doch unbewusste Vorurteile (sogenannte „Unconscious Bias“) und veraltete Strukturen bremsen den Fortschritt. - Frauen sind häufiger von Armut betroffen, insbesondere im Alter.
Die Altersarmut trifft überwiegend Frauen. Viele Frauen arbeiten wegen der Kindererziehung nur in Teilzeit, sind finanziell abhängig und erhalten im Alter entsprechend niedrige Versorgungs-und Rentenbezüge. - Vereinbarkeit von Familie und Beruf - Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Ausbau von Kitas, flexible Arbeitszeitmodelle.
Noch immer übernehmen Frauen den Großteil der Care-Arbeit – also Kinderbetreuung, Haushalt und Pflege von Angehörigen. Dies erschwert ihnen den Wiedereinstieg ins Berufsleben nach einer Elternzeit oder zwingt sie in Teilzeit, was langfristig ihre Rentenansprüche reduziert. Gleichstellungsbeauftragte setzen sich für familienfreundliche Arbeitsmodelle, flexible Arbeitszeiten und eine gerechtere Verteilung der Care-Arbeit ein. -
Frauen in Führungspositionen und Politik
Trotz Quotenregelungen und Initiativen sind Frauen in Vorständen, Aufsichtsräten und politischen Spitzenpositionen nach wie vor unterrepräsentiert. Hier geht es nicht nur um Gerechtigkeit, sondern auch um wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile: Diverse Teams treffen nachweislich bessere Entscheidungen.
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Schutz vor Diskriminierung und Gewalt
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, geschlechtsspezifische Diskriminierung oder häusliche Gewalt sind nach wie vor ernstzunehmende Probleme. Gleichstellungsbeauftragte arbeiten daran, sichere Anlaufstellen für Betroffene zu schaffen und Präventionsmaßnahmen zu stärken.
Fazit: Gleichstellung bleibt eine Daueraufgabe und ist ein Thema für alle