Die geschlechtsspezifische Betrachtung von Gesundheit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Frauen leiden häufiger unter bestimmten Erkrankungen wie Osteoporose, Depressionen, Autoimmunerkrankungen oder Migräne. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, lange als „Männerkrankheiten“ betrachtet, zeigen sich bei Frauen oft mit anderen Symptomen, was zu Fehldiagnosen führen kann.
Trotzdem basiert die medizinische Forschung noch immer größtenteils auf männlichen Probanden. Frauen wurden lange aus Studien ausgeschlossen, da hormonelle Schwankungen als störender Faktor galten. Dies führt dazu, dass viele Medikamente für Männer optimiert sind und bei Frauen andere oder stärkere Nebenwirkungen hervorrufen können. Erst in den letzten Jahren setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Medikamente geschlechtsspezifisch getestet und dosiert werden müssen.
Auch im Umgang mit Krankheit zeigen sich Unterschiede: Frauen suchen häufiger ärztliche Hilfe auf, sprechen offener über Beschwerden und nehmen präventive Maßnahmen ernster. Dennoch stoßen sie im Gesundheitssystem oft auf Barrieren, sei es durch geschlechtsspezifische Vorurteile oder eine unzureichende Berücksichtigung weiblicher Symptome.
Es gibt mehrere Krankheiten, die überwiegend oder häufiger Frauen betreffen. Hier sind einige der wichtigsten:
1. Autoimmunerkrankungen
Frauen sind wesentlich häufiger von Autoimmunerkrankungen betroffen als Männer. Dazu gehören:
Lupus erythematodes (90 % der Betroffenen sind Frauen)
Rheumatoide Arthritis (75 % Frauen)
Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüsenerkrankung, betrifft fast ausschließlich Frauen)
Multiple Sklerose (Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer)
2. Osteoporose
Durch hormonelle Veränderungen, insbesondere nach der Menopause, haben Frauen ein deutlich höheres Risiko für Osteoporose als Männer. Der Östrogenmangel beschleunigt den Knochenabbau.
3. Depressionen und Angststörungen
Frauen leiden etwa doppelt so häufig unter Depressionen und Angststörungen wie Männer. Hormonelle Schwankungen (z. B. während der Schwangerschaft, nach der Geburt oder in den Wechseljahren) spielen eine Rolle.
4. Migräne
Dreimal so viele Frauen wie Männer leiden an Migräne. Die Krankheit steht oft in Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen, insbesondere mit dem Menstruationszyklus.
5. Endometriose
Diese Erkrankung betrifft ausschließlich Frauen. Dabei wächst Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter, was zu starken Schmerzen und Unfruchtbarkeit führen kann.
6. Fibromyalgie
Diese chronische Schmerzerkrankung betrifft überwiegend Frauen und äußert sich durch weit verbreitete Muskelschmerzen, Erschöpfung und Schlafstörungen.
7. Harnwegsinfektionen (Blasenentzündungen)
Frauen erkranken aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre viel häufiger an Blasenentzündungen als Männer.
8. Brustkrebs – Die häufigste Krebserkrankung bei Frauen
Brustkrebs ist weltweit die häufigste Krebsart bei Frauen.
Hier einige Zahlen:
· Betroffene Frauen: Jährlich erkranken in Deutschland rund 70.000 Frauen an Brustkrebs.
· Lebenszeitrisiko: Etwa jede achte Frau entwickelt im Laufe ihres Lebens Brustkrebs.
· Alter: Die meisten Diagnosen werden zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr gestellt.
· Überlebensrate: Dank früherer Diagnose und besserer Therapien liegt die 5-Jahres-Überlebensrate mittlerweile bei über 85 %.
· Männer: Brustkrebs betrifft auch Männer, allerdings sehr selten – weniger als 1 % aller Fälle.
Da das Risiko mit zunehmendem Alter steigt, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Mammografie-Screenings) besonders wichtig.
Diese Beispiele zeigen, dass Frauen nicht nur andere, sondern auch spezifische gesundheitliche Herausforderungen haben, die in der Medizin oft noch nicht ausreichend berücksichtigt werden.